Kategorie-Archiv: Wanderrudern

37 Grad waren nicht genug

Lehr-/Wanderfahrt auf der Donau

Dem theoretischen Teil des Steuermannskurses folgte nun der Praxisteil. Im Gegensatz zu motorisierten Booten -ausgenommen Sportboote bis 5 PS und Charterboote auf bestimmten Streckenabschnitten- brauchen Führer von Ruderbooten auf Wasserstraßen keinen Führerschein, jedoch mit einem Lehrgang des Vereins sollten die nötigen Kenntnisse erworben werden. In Form einer Lehr-/Wanderfahrt wurde von Uli ein Abschnitt der Donau ausgesucht, in dem sämtliche Möglichkeiten geboten wurden, die das Steuern spannend machen. So führte uns der Wasserweg von Vohburg nach Regensburg an zwei Rudertagen.

Die Anreise begann Freitag nachmittag mit unseren Booten Sevilla Gig 4x+ und Singold Gig 2x+. Für die meisten war das Abriggern der Boote schon was Neues und natürlich auch interessant. Hier konnte man sich ein technisches Bild davon machen, was es später auf dem Wasser bedeutet und wie sich die Laufruhe bzw. -unruhe eines Bootes auswirken wird. Jan stellte seinen Bully und sich als Fahrer zur Verfügung. In Vohburg angekommen, riggerten wir die Boote direkt an der Donau auf einem freien Campingplatz auf und lagerten sie dort. Der Streckenverlauf des kommenden Tages wurde durchgesprochen.Im Stöttnerbräu bei Familie Hecht übernachteten wir und genossen zuvor gute bürgerliche Küche im hauseigenen Biergarten und beim Füße vertreten noch ein Eis beim Italiener.

Am nächsten Tag war unser Jan der Erste, der aufstand. Mit der Aufgabe betraut, den Bully samt Trailer an den Zielort zu bringen, machte er sich still und leise um 04:00 Uhr auf den Weg zum Regensburger Ruder-Klub. Mit Zug und Bus ging es wieder zurück nach Vohburg und um Punkt 08:00 Uhr war er wieder hier zum Frühstück.

Bewaffnet mit nur einem wasserdichten Gepäckstück gingen wir zu unseren Booten und wurden überrascht; es war ein Getümmel von gefühlten 100 Personen mit 20 Schlauchbooten und ein Partyfloß am Strand. Die staunenden Gesichter, was wir da mit unseren Booten wollen, verrieten eher kampfeslust, wer wohl der erste in der Reihe des Ablegens sein wird. Uli machte ihnen klar, dass wir schon seit gestern abend anstehen und so ließen sie uns willentlich einreihen. Vor dem Ablegen bestimmte Uli für jedes Boot den Obmann und dieser teilte Steuer- und Schlagmann für sein Boot ein. Unsere Flagge wurde noch ins Heck eingesteckt, Schöpfbecher und Schwamm bereitgelegt. Das Ablegen hart erkämpft, saßen wir doch schon eine Stunde später entspannt und sortiert in unseren Booten und schlossen beim jeweiligen Überholen der spektakulär aufgerüsteten und sonnengeschützten Gummibooten wieder Freundschaft.

Umsäumt von schöner Landschaft nahmen wir Kurs auf Kloster Weltenburg. Laut Planung wird die Ruderstrecke 24 km sein und so planten wir, den Steuermann nach einer bestimmten Strecke zu wechseln. Dies passierte dann bei ruhigem Wasser und das Boot stabil haltend mit akrobatischen Klettereien. Stromabwärts legten wir besagte Strecke zurück. Das war aus sportlicher Sicht füreinen Tagesausflug entspannt, doch waren wir aus einem anderen Grund hier. Primär stand das Steuern im Vordergrund. Den theoretischen Teil absolvierten wir bereits, doch praktisch hatten wir noch keine Erfahrung. Unser Ziel erreichten wir bereits zur Mittagszeit, zogen unsere Boote zum Entladen erst auf den Strand, dann trugen wir sie die Böschung hinauf und legten sie direkt vor dem Kloster auf den Kies. Wir bezogen unser klösterliches Quartier, spartanisch ausgestattet mit Bett, Schreibtisch und Bibel. In unserer freien Zeit bis zum Abendessen teilte sich unsere Gruppe; die einen bevorzugten den Schatten der Bäume und das kühle Nass der Donau, die anderen fuhren mit dem Ausflugsdampfer nach Kelheim auf einen Stadtrundgang inkl. Eisdiele und wieder zurück. Bei über 30°C tummelten sich die Menschen auf dem Wasser mit allem was schwimmt; man hatte das Gefühl, auf der Reise- und Freizeitmesse f.re.e zu sein.

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Donaudurchbruch Kloster Weltenburg

Im Schatten der Bäume bei noch steigenden Temperaturen gab es im Biergarten, der bereits um 19:00 Uhr schließt, zeitig Abendessen und Bier der Klosterbrauerei Weltenburg. Wir ließen den Tag noch Revue passieren mit dem Thema Nr. 1, dem Steuern. Dann wurde noch fachgesimpelt und mit Hilfe der Information des Personals, dass es einen Selbstversorgerraum mit Getränken gibt, dauerten die tiefsinnigen Gespräche bis fast Mitternacht.

Mehr oder weniger gut ausgeschlafen, soweit das bei den hohen Temperaturen möglich war, gab es vorzügliches Frühstück im Freien und das für den heutigen Tag Geplante wurde besprochen. Wir ruderten durch den Donaudurchbruch (die Eng), dem landschaftlichen Highlight, aus welchem Grund wir auch diesen Abschnitt der Donau wählten, nach Kelheim. Dort angekommen, hatte Uli eine Aufgabe für uns im Gepäck, einen kleinen Anlegehafen in Kelheim anzusteuern, um ein Gefühl für Schnelligkeit, Geschick und Reaktion beim Erteilen der Kommandos als Steuermann zu bekommen. Die Bedingungen waren relativ gut. Die Schwierigkeit in unserem Fall war, die Ausflugsdampfer, die gleich neben dem kleinen Hafen ihre An- und Ablegestelle hatten, richtig abzupassen, genau zwischendurch zu steuern, die Strömung berücksichtigend in den kleinen Hafen punktgenau zu gelangen. Alle im Boot waren hoch konzentriert und dankbar, Uli im eigenen Boot bzw. in Rufnähe zu haben. Unsere zwei Boote hatten gerade so Platz, kam nach kurzem Ausatmen die Überlegung, wie wir hier wieder rauskommen, waren wir doch fast so breit wie lang. Mit Streichen und zentimetergenauer Wende im stillen Gewässer des kleinen Hafens, dann mit voller Kraft voraus den Bug gegen die Fließrichtung der Donau lenkend, wurde durch die starke Strömung der Bug flußabwärts geleitet, waren wir wieder in richtiger geplanter Richtung.

Von jetzt an wurde es lebhaft auf der Donauwasserstraße.Verkehrszeichen wie im Straßenverkehr und Berufs- sowie Freizeitschifffahrt in geballter Form, das Wetter war ja dafür einladend. So kam der Gedanke auf, welche Aufgabe im Boot wohl die entspannteste ist; hatte beispielsweise der Steuermann so viel zu tun, vom Deuten der Verkehrszeichen, über das Kommandieren um Wellen zu kreuzen, sowie die Abstände zum Gegen- oder überholenden Verkehr einzuhalten und zeitgleiches Lesen der Routenbeschreibung, dass sogar er sich mit dem Kommando „Ruder halt“ eine Trinkpause einräumen musste. Bei der Verkehrsdichte legten wir mit Sicherheit die doppelte Ruderstrecke durch ständiges Kreuzen zurück, was im Fahrtenbuch leider nicht berücksichtigt werden kann; hier ist nur die eigentliche Strecke der Wasserstraße anzugeben.

Ein nächstes Besichtigungsobjekt wurde angesteuert. Eine Bootsgasse nähe Regensburg. Der schmale Betonkanal mit starkem Gefälle zwischen Ober- und Unterwasser ist in diesem Fall für unsere Ruderboote nicht geeignet. Die Gasse ist zu schmal; hier würden wir mit den Auslegern an den Seitenwänden anstoßen. Das Gefälle und die Fließkraft des Wassers sind zu stark. Geeignet hierfür sind kleinere Sportboote, z.B. Kanus; man kann damit in der Strömung hinunterfahren oder hinunter- oder hinauftreideln.

Nach der Besichtigung kreuzten wir die Donau, fuhren nördlich in die Kanalstraße der Donau ein und kamen nach kurzer Zeit an die Schleuse Bad Abbach. Die Kilometrierung der Donau weist in der Schleuse eine Fehlstrecke von 1,5 km aus, doch machte das ständige Kreuzen der Wellen im vorangegangenen Streckenabschnitt diese wieder wett. Neben der Schleuse für die Berufsschifffahrt war eine kleine handbetriebene für Freizeitboote. Hier mussten wir warten und konnten bei der Gelegenheit das Bauwerk besichtigen und uns mit der Bedienung des Schleusenturms vertraut machen. Endlich an der Reihe, ruderten wir ohne Kraft vorsichtig in die Schleuse, legten die Ruder lang und nun musste der Steuermann mit Hilfe des Paddelhakens das Boot richtig positionieren zusammen mit dem Mannschaftsmitglied auf Platz 1, ebenfalls mit einem Haken ausgestattet, hakten beide an einer Stange/Leiter den Paddel-/Haken ein, um Abstand zu sichern, damit die Ausleger nicht Schaden nahmen. Als die Schleuse voll mit Booten war, Sicherheitsabstand zum Trempel vorausgesetzt, ging es 5,70 m abwärts.

Nach dem Schleusenvorgang ging es ein kurzer Stück die Kanalstraße entlang und mündete wieder in der Donau. Bis Regensburg hatten wir noch regen Schiffsverkehr, das Wasser hatte Rückstau und die Sonne brannte unerbittlich. Endlich nach 36 km an unserem Zielpunkt angekommen, geparkt hatten wir am Regensburger Ruder-Klub von 1890 e.V., duschen durften wir beim Regensburger Ruderverein 1898 e.V. (das Gebäude war sozusagen ein „Doppelhaus“, in dem die Rudervereine residieren), räumten wir zuerst unsere Boote und Gepäck auf und nahmen dann ein verdientes Bad in der Donau; es hätte nicht lang genug dauern können. Hernach gab es noch eine Stärkung im nahegelegenen Biergarten. Auf der Heimfahrt gab es schon Zukunftspläne, was die Stadtrundfahrt per Ruderboot durch Regensburg betraf, denn dazu war die Zeit zu knapp.

Andrea Kistler

Wanderfahrt auf der Mosel

Sa, 29.08. bis So, 06.09.2015

Die Mosel führt durch Frankreich, Luxemburg und die deutschen Bundesländer Saarland und Rheinland-Pfalz auf einer Länge von 550 km. Sie mündet am Deutschen Eck in Koblenz in den Rhein. Sie ist fast strömungsfrei. Neben Passagierschiffen verkehren auch Binnenfrachter, die häufig Kohle und Erze transportieren.

Nach dem Trierer Becken beginnt bei Schweich die reizvolle Landschaft, für die das Moseltal so beliebt ist. Auf 175 km haben sich tiefe Talmäander in die Hochflächen des Rheinischen Schiefergebirges eingeschnitten und trennen so die beiden Mittelgebirge Eifel im Nordwesten und Hunsrück im Südosten. Aufgelockert durch bewaldete, sanfte Hügel werden die Hänge bestimmt von Felswänden, auf deren Terrassen die Rebstöcke über dem Abhang thronen. In Deutschland ist die „Königin der Weißweine“ die Riesling-Rebe. Mehr als die Hälfte von über 60 Mio. Stöcken werden oft auf steilstem Terrain kultiviert. Typisch entlang der Mosel sind die Häuschen aus Schiefermauerwerk im Kontrast zum leuchtend roten Sandsteingewände untermischt mit fränkischem Fachwerk.

Zehn Urlaubsbedrüftige starteten am Samstag nach Saarburg nähe der luxembourgischen Grenze, wo für den nächsten Tag die Boote gelagert wurden. Jan sammelte mit seinem Bully Bootshängererfahrungen, denn im Kreisverkehr zweimal rechts abbiegen kommt nicht so gut. Danach ging es nach Trier; dort wurde zweimal übernachtet. Nach dem Abendessen ließen wir uns von Stadtführerin Carmen die Highlights der Stadt zeigen, die z.T. auch in ihrem Dialekt sprach. Dialekte von Oberbayern, Lechrain, Hessen und Baden Württemberg wanderten umher und zu guter Letzt trafen wir uns in der Mitte, beim Hochdeutschen.

Treffpunkt war die Porta Nigra, das weltweit besterhaltendste römische Stadttor aus dem 2. Jh. n. Chr. nördlich der Alpen und Wahrzeichen der Stadt. Die Basilika Konstantin mit neuer Orgel, die Liebfrauenkirche (älteste gotische Kirche in Deutschland), der Dom St. Peter (romanischer Stil, älteste Bischofskirche Deutschlands) waren weitere Highlights der Stadt. Manche schauten sich tags drauf noch die Kaiserthermen an, die nie mit Wasser gefüllt waren, später als Fluchtort genutzt wurde, dann als Exerzierhalle umfunktioniert, heute als Kulisse für Antikenfestspiele.

Unser erster Rudertag begann in Saarburg und endete in Trier bei hochsommerlichen Temperaturen von fast 40°C. Anfangs auf der Saar bis Konz in 11,5 km, ruderten wir dann in die Mosel ein und hatten noch 6,5 km bis Trier. Von unserer Fahrtenleiterin Anita wurde diese Etappe zusammen mit Marlenè mit 36 km berechnet, doch stimmte irgendetwas mit dieser Berechnung nicht, lies sich daraus schließen, dass die Tourenplanung beim Verzehr von eingelegten Kirschen geschah.

Am nächsten Tag hatte es wieder fast 40°C. Nach dem Frühstück am Bootshaus in Trier angekommen bemerkten wir beim Fertigmachen unserer Boote, dass drei Fußriemen zerschnitten wurden. Jan tapte seine Birkis rein und einer meiner Riemen wurde durch Schnüre ersetzt. Endlich startklar führte und der Wasserweg von Trier nach Trittenheim.

Am Dienstag endlich ein Regentag; es kühlte um 20° ab. Zwar konnte man sich von der Hitze erholen, doch steckte man den ganzen Tag in Regenbekleidung. Zwischendurch mußte immer mal wieder notdürftig angelegt werden z.B. an der bekannten Weinlage vom Piesporter Goldtröpfchen; wie passend. Weitere bekannte Weinlagen sind der Kröver Nacktarsch, Wehlener Sonnenuhr, Trittenheimer Altärchen, Bernkasteler Doktor.

Unsere Route führte uns weiter nach Bernkastel-Kues. Der Besitzer unserer Unterkunft hatte sich bereit erklärt, unser Taxi zu sein, um das Gepäck zu holen und die Fahrt wurde zu einer individuellen Sightseeing Tour. Anita, die für die Kasse zuständig war, hatte ihre liebe Not, das leider von Nässe durchweichte Geld zu trocknen und so breitete sie die einzelnen Geldscheine auf dem Bett aus und föhnte es trocken. Was lernen wir daraus? Nächstes Mal nehmen wir Wäscheklammern mit.

Am Folgetag führte uns die Mosel nach Zell und tags drauf nach Cochem. Auf dem Weg nach Cochem über dem Dorf Bremm wird der Calmont mit seinen 380 Metern Höhe angebaut und mit durchschnittlich 65% Steigung ist er gar die steilste Einzellage Europa.

Die Zeller Schwarze Katz grüßt die Abendsonne

Zur Mittagspause waren wir im kleinen Winzerdorf Beilstein, das der Inbegriff von Moselromantik ist. Der unter Denkmalschutz stehende Ort wird „Dornröschen der Mosel“ genannt; über dem Ort ist die Burgruine des sich ab 1637 im Besitz des Freiherrn von Metternich befand. Da wir ja den ganzen Tag sitzen, hatten wir Bewegungsdrang und besichtigten die Ruine mit traumhaft schönem Ausblick auf die Mosel.

Blick von Burg Beilstein auf die nächste Staustufe

Die letzte Etappe führte uns nach Koblenz. Dort konnten wir direkt im Koblenzer Ruderclub Rhenania für zwei Nächte übernachten und fühlten uns wie Teenager in den Etagenbetten.

Ein Tag vor Abreise wurde noch ein Kulturtag eingelegt. Wir genossen eine Stadtführung mit einem ehem. Landtagsabgeordneten/Stadtrat/Kirchengemeinderat/Orgelgemeinschaftsmitglied. Bei der beliebtesten Eisdiele gab’s unser Mittagessen und dann ging es mit einer Gondel zur Festung Ehrenbreitstein.

Um so eine wundervolle Reise zu gestalten, hatte jeder eine kleine Aufgabe und so war Michael für die Bootseinteilung verantwortlich. In Regen und Rotex kam es zu folgender Besetzung: die Ehepaare nehmen den Norbert mit; ASB (alte Säcke Boot); getrennte Bettpartner; Mannschaft, die tags zuvor knallige Regenoberbekleidung trug; Ü80 (alle über 80 kg); alle Wünsche gehen in Erfüllung (mit Hans-Jürgen in einem Boot sitzen; Rollsitz mit Loch…).

Erstaunt hat uns, dass während unserer Fahrt der Mosel entlang immer eine Begleitung besonderer Art an unserer Seite war. Nilgänse…

Treuer Begleiter - die Nilgans